Heike Raab: Oberrhein ist Vorbild für europäische Grenzräume

„Wir haben die Zukunft Europas in den Händen, wir müssen nur aktiv sein.“ Das hat die Bevollmächtigte des Landes für Europa, Staatssekretärin Heike Raab, heute beim Trinationalen Abend der Oberrheinkonferenz betont. „Der Oberrhein war über hunderte Jahre eine Region, in der sich die Menschen in Kriegen gegenüber standen. Umso beeindruckender ist es, dass er heute eine europäische Region par excellence ist mit Vorbildcharakter für andere europäische Grenzräume. Die europäische Einigung vollzieht sich eben nicht nur entlang gemeinsamer Verträge. Sie muss durch persönliche Begegnungen gelebt und durch konkrete Maßnahmen gestaltet werden. Das macht die enge Zusammenarbeit am Oberrhein so überaus sinn- und wertvoll. Europa ist am Oberrhein seit vielen Jahren gelebter Alltag.“

Staatssekretärin Raab erläuterte, der Oberrhein sei mit knapp sechs Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern und einem Bruttoinlandsprodukt von über 200 Milliarden Euro eine dynamische und prosperierende Region, die zurecht 2010 als erste grenzüberschreitende Metropolregion von den Regierungen in Basel, Berlin und Paris offiziell anerkannt wurde. „Durch mehr als 60 Hochschulen, über 160 Forschungseinrichtungen und annähernd 170.000 Studierende ist der Oberrhein zudem eine der leistungsstarken Bildungs- und Forschungsregionen Europas. Die Wissenschaftsoffensive der Oberrheinkonferenz fördert seit 2011 innovativ und europaweit einzigartig exzellente grenzüberschreitende Forschungsprojekte.“

Gemeinsam mit dem Präsidenten der Oberrheinkonferenz, Werner Schreiner, hatte die Bevollmächtigte ins Haus der Rheinland-Pfälzer in die Bundeshauptstadt eingeladen, um die Zusammenarbeit am Oberrhein zu präsentieren. Schreiner unterstrich, eine wesentliche Voraussetzung für das Kennenlernen der Nachbarregionen seien sehr gut organisierte grenzüberschreitende Verkehrsangebote. „Mit dem Start des Rheinland-Pfalz-Taktes haben wir schon 1994 richtungsweisend zur Entwicklung grenzüberschreitender Mobilität beigetragen. Deshalb freue ich mich sehr, dass die Partner auf deutscher, französischer und schweizer Seite die Planung für die trinationale S-Bahn Basel mit Hochdruck vorantreiben.“ Die Verkehrsdirektoren aus dem schweizer Grenzraum, der baselstädtische Regierungsrat Hans-Peter Wessels und Regierungsrätin Sabine Pegoraro aus dem Kanton Basel-Landschaft, erklärten, die gemeinsame Organisation „trireno“ arbeite an der Realisierung des Herzstücks, einer unterirdischen Verbindung zwischen dem Badischen Bahnhof und dem Bahnhof Basel SBB. Hier sollen umsteigefreie Verbindungen zwischen den Wohn- und Arbeitsregionen ermöglicht werden. Das werde die grenzüberschreitende Mobilität markant verbessern.

Auch auf anderen Gebieten ist die Oberrheinkonferenz aktiv: „Der Oberrhein birgt ein bemerkenswertes Naturerbe wie etwa das grenzüberschreitende Biosphärenreservat Pfälzerwald-Nordvogesen. Es ist unsere gemeinsame Aufgabe, diese bemerkenswerte Landschaft zu schützen und für nachfolgende Generationen zu erhalten. Wir leisten dies auch mit dem gemeinsamen Projekt „ECOSERV“, koordiniert von der Universität Koblenz-Landau und kofinanziert vom EU-Programm Interreg V A „Oberrhein“. Sein Hauptziel ist eine bessere Qualität von Ökosystem-Dienstleistungen in Schutzgebieten,“ erklärte Rémi Bertrand, Präsident des Eurodistikt PAMINA. „Außerdem fördern wir das touristische Potenzial der Region zum Beispiel durch die Erschließung neuer Radwege für eine sanfte Mobilität auch über den Rhein hinweg.“

Die Präsidentschaft der Oberrheinkonferenz wird zum Jahreswechsel zur Regierungspräsidentin des Kantons Basel-Stadt, Elisabeth Ackermann, wechseln. Sie will unter dem Motto „Gemeinsam die Gegenwart und Zukunft gestalten“ einen Schwerpunkt bei der Einbeziehung der Jugend setzen.